Der „Backstoa“

Da, wo heute die Landstraße Richtung Ulm aus Holzhausen hinausführt, hat man links und rechts der Straße eine Bushaltestelle installiert.

Bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts stand dort, unterhalb des Grundstücks der Familie Haubach, der „Backstoa“. Ein großes zweigeteiltes Gebäude. An der Forderfront, Richtung Denkmal mit zwei haushohen doppelflügeligen Holztoren versehen. An der Rückfront an jeder Haushälfte versehen mit langen vom Boden bis zum Dach ausgesparten Öffnungen, die man mit Brettern geschlossen hatte. Die Öffnungen dienten möglicherweise als Belüftung. Ein Fahrweg führte von der heutigen Straße Auf dem Tor an dem Bau vorbei und weiter zu den hinteren Gärten. Ähnlich wie heute. Auf diesem Weg gelangte man auch auf das Gelände hinter dem „Backstoa“. Auf diesem Areal soll, laut unserem Zeitzeugen Ernst Schmidt, auch der Lehm für die gebrannten Ziegel abgebaut worden sein.

Ursprünglich erbaut, um dort Backsteine für den Häuserbau zu brennen, kann sich unser Zeitzeuge, geboren 1929, aber nicht daran erinnern, das erlebt zu haben. Man muss also davon ausgehen, dass die Produktion da bereits eingestellt war.

An diesem Weg, gegenüber vom „Backstoa“ stand noch ein kleineres Häuschen. Vermutet wird, dass es zur Unterbringung von Gerätschaften und als Pausenraum für die Arbeiter genutzt wurde. Sicher ist folgende Information: Im Dritten Reich nannte man dieses kleinere Gebäude: Jungvolkhäuschen. Dort war damals gewissermaßen das Vereinshaus der Jungendorgansiation in Holzhausen.  

Nach dem Ende des II. Weltkrieges mussten  Flüchtlinge und Heimatvertriebene in unserem Dorf untergebracht werden. Das kleine Gebäude wurde zur Notunterkunft umfunktioniert und man quartierte die Familie Konetschny dort ein. Sie lebte dort, bis sie ein eigenes Haus in der heutigen Beilsteiner Straße beziehen konnten.  

Die Familie Heinrich Droß hatte das Gebäude zu dieser Zeit bereits in ihrem Besitz und verwendete es als Scheune für Heu und Stroh und als Unterstand für ihre landwirtschaftlichen Geräte und Erntewagen.

Für Jugendliche in den Jahrzehnten bis zum Abriss des Gebäudes in den 1960er Jahren war die Scheune ein beliebter und gefährlicher Abenteuerspielplatz.