Burg Lichtenstein im Ulmtal

Nicht vom Schlösschen Lichtenstein auf der schwäbischen Alb und auch nicht vom Zwergfürstentum Liechtenstein am Oberrhein soll erzählt werden, nein – diese Geschichte spielt um eine alte Burg in unserer Heimat, die ebenfalls den Namen Lichtenstein trug. Im mittleren Ulmbachtal kann man die Ruine Lichtenstein finden. Zwischen Holzhausen und Beilstein an der ehemaligen Hohen Straße, die von Frankfurt nach Köln führte, nördlich oberhalb der Ulmbachtalsperre. Heute sieht man nur noch eine Erhebung auf der noch einige Mauerreste der Burgruine zu erkennen sind. Lichtenstein – eng verflochten ist seine Geschichte mit den nicht minder stolzen Burgen von Greifenstein und Beilstein.

Vor gut tausend Jahren gehörte das Land an der oberen Ulm dem Bischof von Worms. Er ließ es durch die Herren von Beilstein verwalten. Wormser Vögte aber waren es, die später, Anfang des 13. Jahrhunderts, die Beilsteiner aus ihrem Stammsitz vertrieben. Die verjagten Grafen Werner und Kraft von Lichtenstein bauten sich ganz in der Nähe eine neue Burg: Lichtenstein. Verwandte der Beilsteiner zogen weiter und errichteten auf der Höhe zwischen Dill und Ulmbachtal die Feste Greifenstein. Beide Burgen führten die gleichen Wappen, einen goldenen Schild mit vier gezackten Blättern.

Die Edlen von Lichtenstein und Greifenstein gehörten zu den mächtigsten Herren auf dem Westerwald und an der Dill. Aber sie hatten neidische Nachbarn, die Grafen von Nassau und von Solms-Burgsolms, in deren Augen sich die Lichtensteiner als Raubritter aufführten.

Um das Jahr 1280, so berichtet die Sage, beschlossen die Grafen von der Dill und von der Lahn, eine Fehde gegen die Herren aus dem Ulmtal. Mit vielen Kriegern zogen sie vor den Greifenstein, eroberten die Feste nach hartem Kampf und rissen ihre Mauern nieder. Dann kam der feindliche Heerhaufen gezogen und belagerte die Burg Lichtenstein. Lange lag er vergeblich vor der trutzigen Feste, immer wieder schlugen die tapferen Burgmannen, unter ihrem Herrn Werner von Lichtenstein, die anstürmenden Feinde von den Mauern zurück. Doch bald konnten sich die ganz von der Außenwelt abgeschlossenen Lichtensteiner von den täglich knapper werdenden Burgvorräten und dem spärlich fließenden Zisternenwasser nicht mehr ernähren. Da sie um freien Abzug baten, sicherte man diesen dem Grafen und seinen Gefolgsleuten zu. Lichtenstein wurde von den Siegern dem Erdboden gleich gemacht.

Im Gegensatz zur Burg Greifensein wurde Lichtenstein nicht wieder aufgebaut. Die Lichtensteiner lebten verarmt wahrscheinlich auf einem Hof im nahen Beilstein-Wallendorf. Die Ruine ihrer Burg blieb weiterhin in ihrem Besitz, kam dann schließlich mit Irmgard, der Erbtochter Wittekinds von Lichtenstein, mit dem das Geschlecht in männlicher Linie ausstarb, 1360 an ihren Ehemann Kraft von Rodenhausen. Dieser verkaufte 1363 den Burgberg mitsamt der Ruine und den anderen ihm zugefallenen Lichtensteiner Gütern an den Grafen Johann von Nassau-Hadamar. Im Jahre 1395 gelangte der Burgberg und die Ruine in den Besitz der Grafen von Solms, die nunmehr auf der wieder aufgebauten Burg Greifenstein residierten.

Traurig war das Ende der einst so stolzen Lichtensteiner, die nach dem Verlust ihrer Burg auch ihren ganzen Besitz verloren. Der Name Lichtenstein aber ist nicht in Vergessenheit geraten. Noch heute wissen die älteren Leute vom „Grünwieser Schloß“ zu erzählen. Eine Flur in dessen Nähe heißt noch immer „Lichtenstein“. Von der ehemaligen Burganlage sind nur noch Reste des Halsgrabens unterhalb des Bergplateaus sowie geringe Mauerreste zu sehen. Die wenigen Trümmerreste erzählen vom Werden und Vergehen eines stolzen Rittersgechlechts unserer Heimat.

Aus Greifensteiner Gemeinde Express 40/2002 und Wikipedia – Burg Lichtenstein

In ähnlicher Fassung auch in Usser Blittche, Ausgabe 16 / November 2020 erschienen.

Ergänzend einige Bilder von Fundstücken aus dem Berich der Burg Lichtenstein

Die Exponate sind im Original im Museum Hohe Schule in Herborn zu sehen.