Obwohl die Niederländer lange Zeit wegen des Krieges nicht positiv an und über Deutschland dachten, hat der Krieg auch Freundschaften entstehen lassen. In Holzhausen kam das so:

Nach dem Krieg nahmen junge Niederländer, die hier im „Arbeitseinsatz“ gewesen waren, zu ihren „Gastfamilien“ wieder Kontakt auf, vielleicht war die Reihenfolge auch umgekehrt. Sport verbindet ja bekanntlich und so organisierte Gijs den Toom 1954 ein Fußballspiel zwischen Zevenhuisen und Holzhausen in Zevenhuisen. Diese Gelegenheit der Fernreise ließen sich die Holzhäuser nicht entgehen und reisten gleich mit einem Bus voller Leute an. Diese wurden bei Privatleuten untergebracht, was die Bekanntschaften erweiterte.

1955 wurde in Holzhausen gespielt und der Organisationsablauf wiederholte sich. Diese Freundschaften wurden mindestens über eine Generation hinweg gepflegt. Klar, dass man zu den Feierlichkeiten anlässlich des 40-jährigen Tuspo-Jubiläums auch die niederländischen Freunde einlud, die gerne kamen.

Von niederländischer Seite lesen Sie einen Bericht dazu  aus der Zeitschrift der Vergangenheit, den unser Mitglied Alfred Hardt ins Deutsche übersetzt hat.

Auch finden Sie eine Geschichte in Usser Blittche, Ausgabe 7 vom April 2016 von Balduin Droß, bei dessen Großvater (Heinrich Droß VII.) sowie beim Nachbarn Karl Droß (Woaner Karl) zwei niederländische Arbeitskräfte im Einsatz waren.

In Zevenhuizen, Niederlande, gibt es eine Stiftung mit dem Namen oud Zevenhuizen-Moerkapelle (hier zu finden), gleich zu setzen mit unserem HuG. In der  Ausgabe Nr. 144 März 2021, Verleden tijdschrift, Zeitschrift der Vergangenheit, schreibt Pim van der Zalm folgenden Artikel:

Als ich im digitalen Archiv der Zeitung Schoonhoven Courant stöberte, fiel mir ein Bericht vom 12. August 1955 ins Auge. Er handelte vom Fußballverein Groeneweg aus Zevenhuizen.

„Groeneweg in Deutschland“

Zevenhuizen. Der Fußballverein Groeneweg hat mit einer großen Deligation eine Reise nach Holzhausen, Kreis Wetzlar in Deutschland unternommen. Der Bus war ausgebucht, so dass noch ein privater PKW zum Einsatz kam. Freitags frühmorgens ging es los, Zwischenstopp in Köln und Königswinter. Gegen 19:30 Uhr war man in Holzhausen. Gefühlt, empfing uns hier das ganze Dorf. Begrüßt wurden wir durch den ersten Vorsitzenden des Sportvereins Holzhausens. Im Anschluss sprach der Bürgermeister, der sich sehr freute, niederländische Gäste zu empfangen. Es spielte ein Posaunenchor mit Trommelschlägern und der Männerchor von Holzhausen sang einige Lieder. Anschließend sprach der Landrat H. G. Weber noch ein paar herzliche Worte und überreichte uns eine sehr schöne Flagge. (Der Landrat ist das Oberhaupt von 98 Gemeinden).

Am Samstag hatten die niederländischen Gäste die Gelegenheit die schöne Landschaft rund um Holzhausen zu erkunden. U. a. wurde das Schloss in Dillenburg besichtigt, in dem Wilhelm van Oranien im Jahre 1533 geboren wurde. 

Am Sonntag wurde in sportlicher Atmosphäre ein Fußballspiel gespielt. Zevenhuizen verlor 4 zu 2 gegen Holzhausen. Abends wurde gefeiert. Alles war sehr gut durchorganisiert und perfekt geregelt.

Am Montag wurden wir praktisch vom ganzen Dorf verabschiedet. Der Fußballverein Groeneweg kann auf eine unvergessliche Reise zurückblicken.
Ende des Zeitungsberichts.

Ich war überrascht, warum spielte Groeneweg 1955 gegen Holzhausen, eine ausländische Fußballmannschaft?

In unseren Unterlagen fand ich keinerlei Aufzeichnungen über diese Reise. Arie van den Haak berichtete mir sehr viel über diese Geschichte.

Es war so interessant, dass ich mich entschied, die Geschichte in unsere Zeitung festzuhalten und für die Zukunft auf zu schreiben.

Ursprung 2. Weltkrieg

Gijs den Toom – aus Nieuwerk an der ljssel – musste damals nach Deutschland zum Arbeitseinsatz. Er kam nach Holzhausen, Kreis Wetzlar. Er teilte dieses Schicksal mit vielen junge Männern aus den Niederlanden.

Gijs kam als 20-jähriger am 30. Juli 1943 zu Heinrich Droß VII. (Anm. der Red.: Großvater von Edmund und Balduim Dross) nach Holzhausen, einem Dorf mit 400 Einwohnern. Jeder kannte Jeden. Er wohnte bei einer deutschen Familie und arbeitete als Knecht auf dem Bauernhof. Schnell wurde er von der Bevölkerung in der Dorfgemeinschaft aufgenommen. Als Knecht litt er keinen Hunger und vom Krieg merkte man wenig. Es gab noch einen niederländischen Arbeitshelfer, Gerardus (Gerrit)  van der Burg, der bei einer anderen Familie untergebracht war (Anm. der Red.: Bei der Familie von Karl Droß, Dorfname 'Woanersch' Kall'). Gijs und Gerrit wurden sehr schnell Freunde.

Nach Kriegsende 1945 kamen die Amerikaner in das Dorf, die niederländischen Helfer konnten zurück in ihre Heimat.

Nach einigen Jahren wollte Gijs seine Bekannten und Freunden in Holzhausen wiedersehen. Der Kontakt wurde hergestellt und die Holzhäuser zum Fußballspiel in die Niederlanden eingeladen.

1954 oder 1955 fand das 1. Freundschaftsspiel statt. Am 5. August 1955 wurde dann die Niederländer in Holzhausen begrüßt. 1956 wurde ebenfalls ein Freundschaftsspiel durchgeführt. 1961 spielte Zevenhuizen auch gegen Oberbiel.

Es entstanden viele Freundschaften durch den Fußball. Arie van den Haak (einer der niederländischen Gastgeber) bei dem einige Holzhäuser untergebracht waren, kam 1957 mit drei Freunden auf dem Fahrrad aus den Niederlanden nach Holzhausen. Gijs und seine Frau besuchten etliche Male den schönen Ort Holzhausen. In den 60er Jahren wurde der Campingplatz an der Talsperre gebaut, dort entstand eine neue Übernachtsungsmöglichkeit.

Auch Holzhausen hat einen Heimat- und Geschichtsverein und in dessen Zeitung wird sich gerne an die schöne Zeit mit den Holländern erinnert.

2016 erschien ein Artikel über Gijs den Toom, der in Holzhausen holländischen Käse herstellen wollte. Es fehlte ihm aber der Stremsel (Lab). Ohne die Hilfe von Arie van den Haak hätte ich diese Geschichte nicht zu Papier bringen können. Es ist der Mühe wert, dass solche Geschichten von besonderen Freundschaften nicht verloren gehen.